alles zu "Exakt - die Story"

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29:45 Minuten

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Exakt - Die Story - Intensivtäter - immer wieder kriminell

Ronny aus Rötha hat knapp die Hälfte seines Lebens im Gefängnis verbracht. Er ist 36 und Intensivtäter. Mit 13 fing er an, Drogen zu nehmen, mit 14 begannen die Straftaten. Jens aus Leipzig ist seit einem halben Jahr wieder in Freiheit. Er war Kopf einer Jugendbande. 35 Straftaten gehen auf sein Konto. Wieder draußen, tut er sich schwer, Fuß zu fassen. Kein Bock auf Arbeit. Noch reichen ihm die Unterstützung von Staat und Eltern. Doch wie lange noch?Abdul ist 23. Mit 16 bestieg er ohne Eltern ein Schiff und verbrachte vierzehn Tage auf dem Mittelmeer, bis ihn die italienische Küstenwache nach Sizilien brachte. In Mailand nahm ihn ein Drogenhändler unter seine Fittiche und brachte ihm bei, den Kopf mit dem Verkauf von Drogen über Wasser zu halten. Dann kam Abdul nach Deutschland. Er baute in Zwickau einen Drogen-Ring auf, wurde geschnappt und sitzt nun wegen Drogenhandel, Raub und Gewalttaten. Bald wird er entlassen – und dann?Exakt – Die Story erzählt die Geschichten der drei Männer. Alle drei haben den Wunsch, ein "normales" Leben ohne Straftaten zu führen. Doch sie sind aus eigener Kraft kaum dazu fähig. Warum ist das so? Liegen die Gründe auch in traumatischen Kindheitserlebnissen? Warum wurden sie zu kriminellen Intensivtätern? Warum ist es so schwierig, Intensivtäter in die Gesellschaft zurückzuholen? Programme zur Resozialisierung gibt es en masse. Es ist eine Alimentierungindustrie, die den Steuerzahler viel Geld kostet. In München erzählt ein ehemaliger Schwerstkrimineller, wie er es vom Straftäter zum anerkannten Handwerksmeister gebracht hat. In der JVA Stadelheim hat ihm das Trainingsprogramm eines Vereins geholfen. Es versucht, Kriminelle auf ein Leben in beruflicher Selbständigkeit vorzubereiten. Unter welchen Voraussetzungen gelingt Resozialisierung?Wir sprechen mit Intensivtätern, deren Eltern und Betreuern. Exakt – Die Story geht auch der These nach, dass zu viel für die Täter und zu wenig für die Opfer getan werde. Fakt ist: die Resozialisierung eines Täters spart der Gesellschaft nicht nur eine Menge Geld, sondern schützt eine Vielzahl künftiger Opfer.

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Land der Nichtschwimmer - Unterschätztes Risiko -

Fast dreimal so viele Badetote wie im Vorjahr zählte die DLRG im August 2018 deutschlandweit. Vom Land der Nichtschwimmer ist nicht nur in der Analyse die Rede. "Um sicher schwimmen zu können, bräuchte es nicht die üblichen zehn, sondern 100 Badestunden", betont Petra Dimter vom Landesschwimmverband Sachsen-Anhalt. Im Beschluss der aktuellsten Kultusministerkonferenz ist zwar vom Schwimmen als "lebenserhaltende und gesundheitsfördernde Kernkompetenz" die Rede. Offen bleibt jedoch, welches Schwimmabzeichen zum sicheren Schwimmen überhaupt notwendig ist. "Menschen denken, sie können schwimmen, nur weil sie das Seepferdchen haben. Für mich ist das stattdessen ein klares 'Nichtschwimmer-Abzeichen'", schimpft die Magdeburgerin Petra Dimter. 504 Badetote gab es in Deutschland 2018. Knapp 80 Prozent der Unfälle passierten an Seen, Flüssen und Bächen - also an Gewässern, an denen die Überwachung durch geschultes Personal keine Pflicht ist. Stellen private Pächter dort Verbotsschilder auf, schwimmen Badende auf eigene Gefahr - und überschätzen sich dabei oft, sagt Kai Weiße, Rettungsschwimmer aus Wernigerode: "Kaum einer beachtet mehr die klassischen Baderegeln. Wer am Ufer bleibt, guckt aufs Handy. Da kommt dann jede Rettung zu spät." Auch, weil Rettungsschwimmer fehlen. Die DLRG schätzt: 2019 wird es rund 100 Rettungsschwimmer zu wenig in Sachsen-Anhalt geben. Schließlich ist das kein Beruf zum Geldverdienen. 100 Prozent der Rettungsschwimmer der DLRG retten Leben ehrenamtlich, so auch Kai Weiße. Er macht das in einem Freibad in Elend, das es ohne Ehrenamt nicht mehr geben würde: "2014 hieß es vom Stadtrat: Entweder ihr übernehmt das Bad oder wir müssen es schließen", erzählt Ralf Gläsing, Vorsitzender des heutigen Bürgerbads. "Wer möchte, dass das Bädersterben aufhört, müsste Kommunen mehr Geld zur Verfügung stellen." 175 öffentliche Bäder zählt die "Deutsche Gesellschaft für das Badewesen" aktuell noch in Sachsen-Anhalt, weniger als in Sachsen und Thüringen. 2018 mussten Schwimm- und Freibäder sowohl in Halle als auch in der Altmark, dem Burgenlandkreis, in Mansfeld-Südharz, im Saalekreis, in Wittenberg und in der Börde schließen. Zu letzterem Landkreis zählt Oebisfelde. Hier bringt ein Bus mehr als 40 Zweitklässler einmal die Woche zum Schwimmunterricht bis nach Haldensleben, finanziert durch die Kommune. Das macht 45 Minuten pro Strecke -und das, obwohl der Weg bis nach Wolfsburg nur halb so lang wäre. Länderübergreifendes Zusammenarbeiten: Fehlanzeige. Sind wir ein Land der Nichtschwimmer? Woran hapert es in der Realität? Und wer ist dafür verantwortlich? Diesen Fragen geht Autorin Lisa Hentschel in der Reportage nach.

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Abserviert? - Wirtshauskrise in der Sächsischen Schweiz -

Die Amselfallbaude in der Sächsischen Schweiz ist ganz wunderbar im Nationalpark gelegen und auch ohne große körperliche Anstrengung auf offiziellen Wegen gut zu erreichen. Ein Anziehungspunkt für Wanderer. Doch der Wirt der Baude hat Tränen in den Augen, wenn er sieht, wie sein Gasthaus zusehends verfällt. Es ist seit einem halben Jahr geschlossen - wegen Steinschlaggefahr. Ein Beispiel von vielen: Die Sächsische Schweiz und ihre Bergbauden - jahrelang ein Zugpferd für den Tourismus. Die Bauden - manche bald 200 Jahre alt - gehören zu der einmaligen Landschaft wie die markanten Felsen und die Elbe.Ist das bald Geschichte? Ein Haus nach dem anderen schließt: erst die Bergwirtschaft auf dem Großen Winterberg, dann das Zeughaus, jetzt die altehrwürdige Amselfallbaude. Einige machen nur noch am Wochenende auf oder bieten Verpflegung nur noch für Hausgäste an. Woran scheitern sie alle? Die Wirte sind frustriert: Schwierige Eigentumskonstellationen, Naturereignisse, Personalmangel, Insolvenz oder ständig strenger werdende Behörden- und Naturschutzauflagen. Eins gemeinsam ist aber allen: Sie werden wohl jahrelang geschlossen bleiben, weil sich Behörden nicht bewegen, weil Zuständigkeiten hin- und hergeschoben werden und es kein Konzept und keine Unterstützung gibt. Auch nicht für die Wirtin der Baude auf dem Rauenstein. Sie steigt jeden Morgen die vielen Stufen und schmalen Wege hinauf auf den 300 Meter hohen Tafelberg. Denn der Aufzug ist nur für die Lebensmittel. Fraglich, ob sie auch in Zukunft Mitarbeiter findet, denen sie das zumuten kann. Sterben die geschichtsträchtigen Wanderherbergen und Wirtshäuser in der Sächsischen Schweiz aus? Und stört das überhaupt jemanden? Ein "Exakt"-Team hat sich auf den Weg gemacht und sich umgehört bei den Wirten, bei Tourismusexperten, Politikern und Gästen. Die MDR-Fernsehmacher haben nach positiven Beispielen und neuen Konzepten gesucht und das Bio-Dorf Schmilka gefunden. Das ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht, dank eines Investors mit Visionen. Und "Exakt – Die Story" fragt nach, wie es die tschechischen Nachbarn im Nationalpark Böhmische Schweiz machen und wie Probleme im Bayerischen Wald gelöst werden.

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Laubenglück in Gefahr - warum aus Gärten Bauland wird - Film von Jana Gareis und Stefan Hoge

Überalterte Pächter. Vandalismus. Leerstand. Schon in der Vergangenheit berichtete MDR "Exakt" immer wieder über die Probleme von Kleingartenvereinen. Nun wird das Laubenglück in guter Lage zunehmend durch Bauprojekte bedroht. Denn angesichts boomender Großstädte und steigender Mietpreise ist potentielles Bauland attraktiv. Der Unmut betroffener Pächter, die den Baggern weichen sollen, wächst. Enttäuschung, Frustration, Verzweiflung einerseits. Andererseits verfolgen Politiker und Investoren ihre Ziele, um der Abwanderung und Überalterung in Kleinstädten und um der Wohnungsknappheit in Großstädten etwas entgegen zu setzen. Exakt – Die Story beleuchtet diesen Interessenskonflikt. Sind die einen immer die Verlierer und die anderen die Gewinner? In Bad Langensalza protestierten vor gut einem Jahr Kleingärtner lautstark gegen die Pläne des Rathauses. Ihre zentrumsnahe Anlage soll für eine zukünftige Wohnbebauung genutzt werden. Damals hieß es, dass der Gartenbestand gesichert sei. Monate später fühlen sich nun die noch verbliebenen Kleingärtner von der Lokalpolitik getäuscht. Was ist passiert? Gartenland zu Baugrund heißt es ebenfalls in Penig. Zusammen mit einem Investor plant Stadt auf den Parzellen eine Einfamilienhaus-Siedlung. Auch hier stößt die Entscheidung bei denen, die weichen sollen, auf Unverständnis. Sie wehren sich gegen den drohenden Verlust der Scholle, zumal ihnen die Geschäfte des Investors mit der Stadt suspekt sind. Der niedrige Kaufpreis für das betreffende Grundstück sorgt für Zündstoff. In Magdeburg wollen zwei potentielle Bauherren in bester Stadtlage Wohnungen errichten. Dabei auch hier im Weg: eine Kleingartenanlage. Die Pächter wurden zwar entschädigt, doch die Gartenpartei in Magdeburg will den Neubau verhindern. Was spricht gegen neue Wohnungen? Exakt - die Story zeigt beispielhaft drei betroffene Gartenanlagen, deren Laubenpieper im Kampf gegen die Bebauung nicht aufgeben wollen und beleuchtet die Hintergründe und Motive der Beteiligten.

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Flaute im Windpark - Energiewende in Gefahr

100 Prozent Strom aus Erneuerbaren Quellen bis 2040 – dieses Ziel hat die rot-rot-grüne Landesregierung für Thüringen gesteckt. Dafür sollen künftig auf einem Prozent der Fläche des Freistaates Windräder stehen. Doch die Ziele des Landes für den Ausbau der Windenergie werden in den Regionen immer offener hinterfragt, abgelehnt und sabotiert.Rund 840 Windräder drehen sich derzeit in Thüringen. 0,3 Prozent der Landesfläche beanspruchen diese Anlagen. Doch Projektierer und Investoren fragen: Wie soll es weitergehen? Neue Flächen werden häufig vor Gericht erstritten, weil die Behörden in den Kreisen häufig zögern, neue Anlagen zu genehmigen. Woher sollen neue Vorrangflächen kommen, wenn die neuen Regionalpläne immer wieder mit Wellen von Einsprüchen ausgebremst werden? Was passiert mit den rund 150 Thüringer Windrädern, die ab 2020 nicht mehr gefördert werden? Für den Erfolg der Energiewende müssen sie durch neue ersetzt werden, die mehr Strom erzeugen können. Doch wie soll das gelingen – bei den aktuellen Rahmenbedingungen? Die Gegner neuer Windräder organisieren und vernetzen sich immer besser: In 50 Bürgerinitiativen engagieren sie sich inzwischen. Was sind Ihre größten Sorgen und Bedenken? Warum protestieren sie nicht nur gegen Windräder vor der eigenen Haustür, sondern grundsätzlich gegen die Energiewende? Sie suchen immer wieder den offenen Streit mit Menschen, die sich für Windkraft engagieren. Etwa den Enthusiasten, die sich in Bürgerenergie-Projekten für Bürgerwindräder in der Hand von Einheimischen engagieren. Solche Projekte haben es besonders schwer. Warum gehört nur ein Bruchteil der Windräder, die sich in Thüringen drehen, wirklich Thüringern? Warum ist es so schwierig, die Gewinne aus der Windenergie vor Ort zu verteilen und möglichst viele davon profitieren zu lassen? Was kann die Servicestelle Wind der Thüringer Energie- und Greentec-Agentur mit dem Siegel „Faire Windenergie“ erreichen? Und warum ist es in der rot-rot-grünen Landesregierung so still geworden beim Thema Windenergie? Der Film nimmt die wachsenden gesellschaftlichen Konflikte rund um die Windenergie in den Blick und fragt nach, was deren Zuspitzung für die Energiewende in Thüringen bedeutet.

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Heute Mama, morgen Papa - Der Streit ums Wechselmodell

Wenn ein Elternpaar sich trennt, dann bedeutet das nicht nur das Ende eines Traums von einer gemeinsamen Zukunft, auch das Bild von Familie geht kaputt. So passierte es Annett W.: vor drei Jahren trennt sie sich von ihrem Mann. Als Vater hatte er sich bisher nur wenig um das gemeinsame Kind gekümmert, will nach der Trennung seinen Sohn aber plötzlich häufiger sehen. Weil die Mutter sich weigert, geht er vor Gericht. Das ordnet per Beschluss das so genannte Wechselmodell an - gegen den Willen der Mutter. Seitdem lebt der sechsjährige Sohn eine Woche bei der Mutter, eine Woche beim Vater. Für Miriam Hoheisel, Geschäftsführerin vom Bundesverband für alleinerziehender Mütter und Väter ein Unding: "Eine Trennung ist ja kein Tabula rasa, sondern sollte an das anknüpfen, was Eltern vorher gelebt haben. Und es ist weiterhin so, dass Paarfamilien viel traditioneller leben als die Diskussion uns denken lässt", sagt Hoheisel. Jörg Schneider aus der Nähe von Altenburg hätte sich für seine Kinder das Wechselmodell gewünscht. Doch die Mutter seiner Kinder ist dagegen, genauso wie das zuständige Amtsgericht. Obwohl seine Kinder trotzdem fast 45 Prozent der Zeit bei ihm lebten, sollte der Familienvater vollen Unterhalt zahlen. Weil er weitaus weniger verdiente und sich weigerte zu zahlen, wurde sein Konto gepfändet: "In der Zeit habe ich mir Geld zusammengeborgt, um wenigstens Miete und Strom bezahlen zu können", erinnert sich Schneider. Im Fall eines paritätischen Wechselmodells hätte er keinen Unterhalt zahlen müssen. Für die Jura-Professorin Hildegund Sünderhauf-Kravets müsste nicht nur das Unterhaltsrecht novelliert werden. "Das Wechselmodell als Leitbild würde bei Trennung und Scheidung die Frage stellen: Wie können wir erreichen, dass Mutter und Vater beide im Boot bleiben? Denn die Frage, wer der bessere Elternteil ist, darf nicht mehr gestellt werden, weil Mutter und Vater wichtig sind." Familie Geyer lebt das Wechselmodell bereits. Zwei Elternhäuser, zwei Betten, jede zweite Woche Tasche packen. "Wir muten unseren Kindern viel zu", sagt Mutter Isabel. Aber beide Eltern wollen am Leben der Kinder teilnehmen. "Ich hab zwei zu Hause", sagt Tochter Magda und ist nicht unglücklich darüber. Es schlägt sich ein Graben quer durch Deutschland und es wird erbittert gestritten. Laut einer Allensbach-Umfrage will die große Mehrheit, 77 Prozent der Trennungseltern, dass Kinder bei Vater UND Mutter aufwachsen. Doch die Realität sieht anders aus. Oft lebt das Kind nach der Trennung bei der Mutter und der Vater zahlt. Immer mehr Väter fordern das Recht ein, sich um ihre Kinder kümmern zu können. Doch in Deutschland ist im Gegensatz zu den meisten anderen europäischen Ländern das Wechselmodell noch nicht im Gesetz verankert. Dabei fordert das der Europarat schon seit 2015. Die FDP kämpft nun dafür, die LINKE ist dagegen. Woher kommt das Konfliktpotenzial? Welches ist der beste Weg für die Kinder? Und welche Vorgaben sollte die Politik machen? "exakt - Die Story" wirft einen Blick hinter die Kulissen dieser hoch emotionalen Familienstreitigkeiten.

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Gesunde Betriebe – krankes Land? - Die Agrarindustrialisierung und ihre Folgen

Die Entwicklung der ostdeutschen Landwirtschaft ist eine Erfolgsgeschichte. Die Agrarbetriebe, die sich aus den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften der DDR entwickelt haben, sind heute in der Mehrzahl moderner und rentabler, als die meist immer noch familiär geführten Bauernhöfe im Westen Deutschlands. Der Grund für den Erfolg liegt in den Strukturen: Meist sind es große Schläge und oft über mehrere 1.000 Hektar Land, die die LPG-Nachfolgebetriebe bewirtschaften können. Es wirkt, wie ein später Sieg der DDR. Doch was die einen als Vorteil sehen, ist für die anderen eine dramatische Fehlentwicklung. In keinem Bereich hat seit der Wende ein so dramatischer Arbeitskräfteabbau stattgefunden, wie in der Landwirtschaft. Waren die DDR-LPGen noch vertraglich dazu verpflichtet, bestimmte kommunale Infrastrukturen, etwa Sportplätze oder Gemeindesäle bereitzustellen und sogar Straßen zu bauen, haben die neuen Agrarbetriebe diese Verantwortung nicht mehr. Waren früher die Bauern die tragende Schicht des ländlichen Raumes, haben die großen Agrarbetriebe heute keinen Bedarf mehr, ihre Waren ortsnah abzusetzen. Sie verkaufen an nationale Großhändler, die die Waren dann an die Supermarktketten vertreiben. Soziologen sprechen von der Entbettung der landwirtschaftlichen Produktion aus den regionalen Kreisläufen. Die Folge: In vielen Dörfern gibt es keinen Lebensmittelladen mehr, keinen Bäcker, keinen Friseur und keinen Arzt. Gesunde Betriebe – krankes Land?Exakt - die Story fragt nach: bei den betroffenen Großagrariern, bei den Bürgermeistern der betroffenen Orte, ebenso wie bei Politikern auf Landes- und Bundesebene. Welche Möglichkeiten gibt es, die negativen Folgen der Agrarindustrialisierung im Osten Deutschlands zu mildern? Mit welchen Mitteln kann die Politik Einfluss nehmen? "Gesunde Betriebe – krankes Land?" ist ein Film über Zustand und Zukunft der Landwirtschaft in den ostdeutschen Bundesländern. Die Frage, in welche Richtung sich die Landwirtschaft entwickelt – und entwickeln soll, wird virulent bleiben.

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29:53 Minuten

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Betteln, Saufen, Sterben - Obdachlose am Bahnhof

Ihr Leben ist dreckig und gefährlich. Es spielt nicht in einem indischen Slum, sondern mitten in Leipzig, am schicken Hauptbahnhof. Es ist das Leben von Menschen, die auf der Straße leben. Drogenabhängige, Alkoholiker, gestrandete Jugendliche. Für sie sind der Hauptbahnhof und die Brachflächen drum herum zur letzten Station ihres sozialen Abstiegs geworden. Exakt – Die Story begleitet monatelang die Obdachlosen vom Bahnhof, die aus unterschiedlichsten Gründen hier gestrandet sind. Einer von ihnen ist Sigi, der an einem kalten Januartag seine Wohnung verliert und doch eigentlich reich sein könnte. Sein Vater war wohlhabend, besaß Immobilien. Die hat er Sigi vererbt. Doch weil Sigis Leben schon lange aus dem Lot geraten ist, reicht seine Lebensplanung nur bis zur nächsten Flasche Bier. Seine Erbschaftsangelegenheiten kann er nicht regeln. Auch Melanie trinkt. Die junge Frau bettelt vor dem Bahnhof und schläft in einer Abrisshalle dahinter. Als der Filmautor Thomas Kasper sie kennenlernt, ist sie im 8. Monat schwanger. Wie soll es weiter gehen? Findet sie für Ihr Neugeborenes und sich selbst einen Weg in ein anderes Leben?Dann ist da noch Jan. Der junge Mann verlor ausgerechnet an seinem 18. Geburtstag seine Bleibe in einer Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe. Er musste ins Obdachlosenheim ziehen und verbringt nun auch viele Stunden des Tages am Bahnhof. Das Gestrandet-Sein schweißt zusammen. Nicht die Familie zählt, die für jeden einzelnen hier dramatische Enttäuschungen und Verluste bedeutet, sondern der Zusammenhalt untereinander. Der Mediziner Dr. Gerhard Trabert, Vorsitzender des Vereins Armut und Gesundheit in Deutschland, kennt Dutzende solcher Lebensgeschichten. Zunehmende Obdachlosigkeit sei ein Resultat jahrzehntelang verfehlter Wohnungspolitik in Deutschland. Trabert: "Es fehlen rund 1,2 Millionen Kleinwohnungen." Vermieter können sich ihre Mieter aussuchen. Alkoholkranke und Obdachlose gehören selten dazu. In Deutschland leben 52.000 Menschen ohne jede Unterkunft auf der Straße. Seit 2014 ist das ein Anstieg um 33%. In Leipzig gibt es circa 800 wohnungslose Menschen.

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30:02 Minuten

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Handwerker gesucht! -

Handwerker in Deutschland haben volle Auftragsbücher. Über einen Mangel an Arbeit kann keiner klagen, aber viele Betriebe können die Aufträge nicht mehr erfüllen. Jährlich fehlen ca. 20.000 Lehrlinge. Wachsende Bürokratie mit immer mehr Vorschriften frisst Zeit und nimmt die Freude an der Arbeit. Die nächste Generation will oft den elterlichen Handwerksbetrieb nicht übernehmen. Rund 200.000 Betriebe stehen in den kommenden Jahren vor einem Generationswechsel. Egal ob Maurer, Tischler, Klempner, Elektriker oder Fleischer, klassische Berufe, die es so seit Jahrhunderten gibt, für junge Menschen scheinen sie ihren Reiz verloren zu haben. Geht da eine Tradition verloren? Was tun gegen diese Entwicklung? Gibt es Alternativen? Maurermeister Queck aus Stützengrün hatte in diesem Jahr nicht einen Bewerber für eine Ausbildungsstelle. Der Sohn von Fleischermeisterin Susann Bergmann aus Freiberg geht lieber zu einem großen Autobauer in die Lehre, weil er erlebt hat, wie seine Mutter Tag für Tag kämpfen muss, um den kleinen Betrieb am Laufen zu halten. Und bei den Elektrikern aus dem Erzgebirge klappte zwar die Unternehmensnachfolge, doch sie finden einfach keine Lehrlinge, die für den Beruf eines Elektrikers geeignet wären. Die schulischen Leistungen in Mathematik und Physik sind zu schlecht.Die Tischlermeister aus Crottendorf haben zwar genug Nachwuchs, aber sie verzweifeln an der Bürokratie. "Das reicht von Datenschutzvorschriften und Arbeitsschutz über Steuergesetze bis hin zur neuen Gewerbeabfallverordnung", sagt der Präsident der Dresdner Handwerkskammer, Jörg Dittrich, selbst Dachdeckermeister. Jedes unternehmerische Vorhaben und jede Baustelle werde damit zu einer juristischen Schlacht der Formalitäten.

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Kinder aus der Schnapsflasche - Film von Anett Wundrak

Sind 100 Meter weiter als ein Kilometer? Wie lange dauert eine halbe Stunde? Passt ein großer Topf in einen kleineren? Grit Wagner kann das nicht beantworten. Löcher im Gehirn - so beschreibt die 46-Jährige die Auswirkungen einer vorgeburtlichen Schädigung. Während der Schwangerschaft trank ihre Mutter viel Alkohol. Die noch ungeborene Grit Wagner "trank" mit. Das hat für sie lebenslange Folgen. FASD (Fetal Alcohol Spectrum Disorder) - darunter fassen Ärzte die vielen Formen dieser Schädigung zusammen. Äußerlich sichtbare Anzeichen, wie die sogenannten "Säufergesichter", verwachsen sich mit zunehmendem Alter. Entwicklungsverzögerungen werden mit der Zeit aufgeholt. Aber einige typische Gehirnschäden sind irreparabel. So sind die kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt, das heißt Betroffene können ihre Erfahrungen nicht verallgemeinern, machen immer wieder die gleichen Fehler. Sie sind nicht in der Lage vorausschauend zu planen und den Alltag zu strukturieren. Ständige Überforderung führt zu Depressionen oder aggressiven Schüben. 90 Prozent der erwachsenen FASD-Betroffenen wissen gar nicht, woher ihre Probleme kommen, sagt Professor Dr. Hans-Ludwig Spohr von der Berliner Charité, weil die Krankheit im Kindesalter nicht diagnostiziert wurde und sie als Erwachsene gar nicht daraufhin untersucht werden. Ohne richtige Diagnose bekämen die Geschädigten aber nicht die erforderliche Hilfe von Ärzten und Behörden. Jedes Jahr kommen 13.000 Babys mit FASD in Deutschland zur Welt, hat das Institut für Therapieforschung München errechnet. Zahlen und Fakten, die beunruhigen. "Exakt - Die Story" begleitet Menschen, die keinen normalen Alltag leben können. Sie sind auf den ersten Blick unauffällig, eher redegewandt als zurückhaltend. Da ist die 21-jährige Jessica, deren Pflegemutter an die Grenzen ihrer Belastbarkeit kommt. Da ist Justin, der schon viermal vor Gericht stand. Gibt es eine Alternative zu Verurteilung und Strafvollzug? Das fragen sich seine Adoptiveltern. Und da ist Grit Wagner. Jeden Tag nach dem Frühstück hilft ihr ein Nachbar, den Tag zu strukturieren und Ordnung zu halten. Er zeigt ihr Handgriffe im Haushalt, die sie schnell wieder vergisst und erinnert sie an alle wichtigen Termine. "Exakt - Die Story" hat Grit Wagner im Alltag begleitet. Wann immer es geht, redet die engagierte Frau mit Heranwachsenden und liest an Schulen aus ihrem Buch, das sie über ihr Leben mit FASD geschrieben hat.